Freitag, 22. April 2011
We are all lovers, in a way.
Und auf flannelapparel finden sich ein paar wunderbare Fotos zu Fahrradliebe und Großstadtdschungel.
Um mehr als Frühlingsgefühl geht es in einem mehr als lesenswerten Text von Antje Schrupp über Liebe und Freiheit: "Wir müssen die Liebe wieder als Differenzbeziehung denken" schreibt sie dort.
Ich werde ab jetzt auch unterwegs sein, mit dem Fahrrad in Berlin, die Differenzbeziehung zu meiner Stadt pflegen. Ansonsten empfiehlt es sich, die nächsten drei Tage zwischen Parks, Demos und Nachtasylen mindestens mit diesem Soundtrack zu verbringen:
Samstag, 16. April 2011
Digital Rhapsody
Spätestens im Rahmen der offiziellen Verabschiedung von der re:publica11, bei der die versammelte Netzgemeinde mit is this the real life, is this just fantasy zur Bohemian Rhapsody ansetzt, verliere ich ein Stück Herz an die Nerdkultur.
Einige der Inhalte aus drei Tagen zwischen Kalkscheune und Friedrichstadtpalast habe ich im Blog auf freitag.de zusammengefasst >>
+ Shitstorm? You can do it. Mit Helga Hansen und Kathrin Ganz
+ Guck mal, wer da spricht. Wie viel Pluralismus kann die deutsche Blogosphäre? Mit Kübra Gümüsay, Sebastian Mraczny, Urmila Goel und Verena Reygers
+ Speak up. Erkenntnisse der Netzwelt - eine Zwischenbilanz über klassische und neue Medien und Selbstrepräsentation im Netz
Zwei weitere Highlights können per Video nachgeholt werden und sind unter anderem ebenfalls beim Freitag zu finden >>
+ Gunter Dueck - Das Internet als Gesellschaftsbetriebssystem
+ Till Kreutzer - Geistiges Eigentum vs. Kreativität 2.0
[Bild: Jakob Wagner]
Dienstag, 12. April 2011
Flirte mit mir, Pluralismus.
Seit der letzten re:publica ist viel diskutiert worden über Pluralismus im Netz und die Problematik der Wahrnehmung. Ansätze von Erklärungen der digitalen Welt in Bezug auf die Frage, ob die Schwächen der Netzwelt die selben oder andere sind als die der klassischen Medien. Und während feministische Themen mit vielen klugen Bloggerinnen inzwischen breit vertreten und dabei sind, digital Fuß zu fassen, bleiben die Printmedien mehrheitlich Jungsblätter.
Doch obwohl in diesem Spektrum eine unverkennbare Diskrepanz zwischen Print und Online besteht: auf einem weiten sozialpolitischen Feld ist das Netz so wenig pluralistisch wie andere Quellen der Information und Diskussion. Noch immer ist die Debatte um Sarrazins verächtliche Äußerungen nicht abgestorben und bleibt intermedial geprägt von bürgerlicher Bequemlichkeit. Und es ist nicht nur die Eintönigkeit der Integrationsdebatte und ihrer Akteure, es sind umweltpolitische und wirtschaftliche Fragen, Diskriminierung und der Flirt mit dem Elitegedanken, die kühlem Pragmatismus und damit einer einseitig konservativen Sicht zum Opfer fallen.
Man könnte die Frage stellen, warum Sarrazin in Deutschland 2010 zum Topseller avancierte während Frankreich mit Empört euch von Stéphane Hessel vergleichsweise glänzte. Und man könnte die Aufgabe mit einer roten Schleife an die Parteien weiterreichen, Menschen zu empören, zu bewegen und Lethargien zu beseitigen. Dabei sind die Medien unverzichtbarer Teil dieses Diskurses und bestehen zu Recht auf dieser Funktion. Es könnte so einfach sein, Ausgrenzung, Diskreditierung, Ignoranz mit einer argumentativ fundierten Gegenöffentlichkeit zu begegnen. Was ich lese, in der Zeit, der Süddeutschen und diversen Politblogs ist dennoch oft mehr Wellness als Streitkultur. Und denen, die sich auseinandersetzen, werden wenige Klicks zuteil.
Ich werde vermutlich viel rauchen in den nächsten drei Tagen der #rp11 - und pluralistische Netzwerke schmieden.
+++ who did a better job: Hilal Sezgin (Hrsg.) // Manifest der Vielen. Deutschland erfindet sich neu +++
Samstag, 19. März 2011
I decided to stay concerned.
Ich hoffe zumindest, dass die oft zu kurze Aufmerksamkeitsspanne ausreicht, um am nächsten Wochenende auf die Straße zu gehen. Ich werde da sein.
Montag, 10. Januar 2011
Energie wie nie
zuerst erschienen auf atomconcern.wordpress.com
Liebe Wutbürgerinnen und Wutbürger.
Es war kalt, im November auf der Straße zum Zwischenlager Gorleben. Und es war noch kälter im Dezember, auf der Schiene vor dem Zwischenlager Nord bei Lubmin. Aber es waren Tausende unterwegs, im Zeichen des Protestjahres 2010 und im Zeichen davon, dass Dinge schieflaufen. Wir waren dort, haben gefroren und getanzt um unsere Zehen wieder zu spüren, neben Feuertonnen ein Stück Revolution geplant und als Anschein einer Erklärung unsere Banner in Kameras gehalten. Uns in goldglänzende Rettungsdecken gehüllt bis wir aussahen wie wandelnde Weihnachtsbäume, in den frühen Morgenstunden auf Strohsäcken sitzend die stetig herannahenden Polizeikräfte in Empfang genommen. Wir waren dankbar für die Kameras, die dann noch auf uns gerichtet waren als wir weggetragen wurden und gehen davon aus, dass es nicht die Herren waren, mit denen wir vorher Waffeln geteilt hatten, die uns über den Asphalt schleiften als genügend Bilder im Kasten waren.
Wir sind nach Hause gefahren, haben uns gefragt, ob es das jetzt gewesen ist, die Castoren sind angekommen, verspätet aber mit Erfolg. Wir haben Zeichen gesetzt, aber nicht genug, um in Zukunft ohne weiteres Atomgift zu leben. Es gab Berichte, Kommentare, Reportagen, die die Problematik in das flackernde Licht medialer Aufmerksamkeit getaucht haben, und tiefgründige darunter, die an Tschernobyl erinnerten und an die auch jetzt aktuelle Gefahr. Während die Reaktoren weiterlaufen und wir unzufrieden, wütend zurückbleiben. Man müsste mehr tun können - und man kann.
Es müsste Atomstrom geben den niemand kauft und eine Politik, die weder finanziell noch ideell das Gift zu tragen bereit ist. Es müsste beleuchtete Bäume Unter den Linden geben, die nachts statt durch Vattenfall ökologisch leuchten. Jeder Haushalt, jede WG, jede Penthousewohnung müsste mit Strom von Anbietern versorgt sein, die die Netze mit erneuerbarer Energie versorgen. Und das im besten Fall ausschließlich. Es müsste ein soziales Gedächtnis geben für Klimagerechtigkeit und demokratische Strommärkte.
Gute Gründe dafür, eine Veranstaltung ins Leben zu rufen, die einen Anfang bedeutet. Wir wollen mit euch tanzen für Energie wie nie, für den persönlichen Atomausstieg im Wohnzimmer. Wir werden euch vor Ort mit Informationen über unabhängige Anbieter versorgen, die sich nachhaltig und mit eigenen Mitteln für den Ausbau von regenerativen Energiequellen einsetzen. Wenn ihr eure Zählernummer dabeihabt, werdet ihr am Tatort wechseln können und dafür nicht nur free drinks sondern ein Stück bessere Welt bekommen. Und weitertanzen bis eure Füße schmerzen.
Es war kalt, als wir Utopien träumten und wir finden noch immer, auch in beheizten WG-Küchen, dass Utopien da sind, um sich ihnen zu nähern - egal wie groß die Schritte sind. Wenn wir WutbürgerInnen sind, haben wir ein Gefühl entgegen der Gleichgültigkeit. Und es gibt da so eine Band, die hat das, was wir hier sagen wollen, schonmal in Worte gefasst.
"Glaubst du auch, dass wir vielleicht die Wut verliern
den Mut verliern
glaub nicht dran, dass ich und er und sie
jemals die Wut verliern." //Auletta - Schlagt Alarm
lesen: +++ Genug ist genug // Erklärung des Bündnisses Atomausstieg selber machen +++ Empfehlenswerte Anbieter +++
Mittwoch, 5. Januar 2011
Women, blogging
Zwischen Gesetzestexten, Weißweingläser mit Lippenstifträndern, abgerissenen Notizzetteln und den Nachwirkungen einer Kreuzberger Nacht zum Jahreswechsel eine weitere gute Nachricht: meine Nominierung für den Titel Bloggermädchen 2010. Neun andere, auf ein Unterschiedlichstes interessante Frauen und ich, die dem Netz zeilenweise Politiken und Anekdoten, Input und eigene Standpunkten einspeisen, können von euch bis zum 31. Januar gewählt werden. Klicken, klicken, klicken / because we've got something to say. Die Stadtpiratin dankt.
+ soundtrack: Warpaint // Billie Holiday
[Bild: Roberto Farruggio]
Dienstag, 28. Dezember 2010
Der Fetzen Liebe im Statusupdate
"Warum diese Vereinzelung? Als Hauptverdächtiger gilt das Phänomen Narzissmus im Verbund mit der Selbstdarstellungsmaschine Internet. Der Tanz um sich selbst mag nach Erotik aussehen, aber es bleibt beim Schein."
All das während Mark Zuckerberg die Welt verbindet und das Post-Privacy-Zeitalter proklamiert. Was aber, wenn Facebook gar nicht oder wenigstens nicht allein der Faktor ist, der uns mehr zu Statusupdates als zu direktem sozialem intercourse bewegt?
Es ist halb drei in einem Neuköllner Hinterhaus, dritter Stock, die Turntables sind geliehen, es gibt Sternburg Export aus der Badewanne. Der Typ links neben dem Kühlschrank ist sichtlich angetan von ihrem Plan, durch Thailand und Vietnam zu backpacken und überhaupt von dem ganzen Mädchen. Aber bevor er sie je küsste im Laufe der Freitagnacht ist sie ihm zu wild und die Geschichte zu aussichtslos, mit einem lauwarmen Rest Bier quetscht er sich kurze Zeit später durch den Flur Richtung Dancefloor. Sie bleibt in der Küche und beschäftigt sich noch ein paar Minuten halbherzig mit der Frage, wen der Anwesenden sie mit nach Hause nehmen könnte ohne sich zum romantischen Frühstück zu verpflichten. Am Ende entscheidet der Alkohol und das, was bei Dunkelheit noch vielversprechend aussah fühlt sich Stunden später an wie der Anblick der zerdrückten Kippen im Waschbecken. Das größte Wagnis bleibt betrunkenes Knutschen in der U-Bahn, etwas wie Liebe im Moment und ohne Fragen.Wir haben die Freiheit, in WG-Wohnzimmern an der Alternativität unserer Erwerbsbiografien zu feilen, den Zwang zu unter- bis unbezahlten Praktika und die Grenzenlosigkeit möglicher Beziehungsmodelle. Wir lieben unsere Freiheit und tun dies zu Recht, niemand wünscht sich zurück in die zähe Selbstverständlichkeit einer Vernunftehe. Auch wenn, wie Sven Hillenkamp in Das Ende der Liebe schreibt, die Vernunftehe zum Resultat eines zu verzweifelten und zu simultanen Strebens nach gesicherten Lebensverhältnissen, Liebe und satisfaction avancieren könnte. Denn wir fürchten unsere Freiheit mindestens ebenso sehr. Wenn wir heiraten, dann verheiraten wir uns mit Projektideen, insofern auch mit der Idee von der gesicherten Langzeitbeziehung. Und wir fürchten uns nicht genug, um nicht trotzdem alles zu wollen- doch hinreißen lassen wir uns höchstens zu Sturm und Drang in Zeitlupe. Während die Verfügbarkeit von Informationen und die Chance, uns multidimensional selbst zu entfalten, das Tempo des Alltags beschleunigt, werden wir zaghaft im Umgang mit dem Irrationalen. Auch wenn wir uns wünschen, wild und heftig zu lieben: nicht Leistung, sondern Herzblut soll sich lohnen. Für alles andere die Unverbindlichkeit eines one-night-stands.
Die Welt steht uns offen, aber ein aufgeklapptes Notebook gereicht im Zweifelsfall zum Sicherheitsabstand. Sie ist immer direkt vor unserer Nase, die Welt, via Internet sehen wir ihr beim Zusammenwachsen zu und arbeiten währenddessen auf dem Sofa am perfekten Lebenslauf. Der Erwartungsdruck, den wir durch die Fülle der Möglichkeiten auf uns projiziert glauben, führt zu einem Pragmatismus, der Sven Hillenkamp an der Möglichkeit der Liebe zweifeln lässt. Doch sobald der Versuch, mit handwerklichen Methoden Beziehungsglück zu konstruieren der Erkenntnis des Chaos weicht, darf auch ein Kuss zwischen Tür und Angel unter dem Label Liebe existieren. Es ist die Reproduktion vorzeitlicher Lebensformen, die hierfür eine Bereitschaft zum Einfamilienhaus voraussetzt. Schließlich entsteht aus dem Chaos oft nicht nur eine Idee, sondern ein neues Ideal. Und vielleicht eine neue Definition von Liebe, die der Unstetigkeit gerecht wird.
+ soundtrack: Clara Luzia feat. Emma McGlynn // Faces