Wenn die Debatte nicht schon derart von Vorurteilen aufgeladen und von argumentativer Niveaulosigkeit geprägt wäre, würde man sie gern bei der Hand nehmen und ein paar Dinge klarstellen. Der Mangel an Verständnis der Situation, aus dem sich Maskulismus nährt, setzt dort ein, wo eine Frau mit rotem Kussmund und High Heels als Bedrohung empfunden wird. Sie ist, wie vieles andere, eine mediale Inszenierung, die von Werbeagenturen ins Leben gerufen wurde, um Produkte abzusetzen. Und dies nicht etwa mithilfe eines qualifizierten Statements zu Rollenbildern, sondern durch die Darstellung einer Frau als Objekt. Und der Mangel an Verständnis gipfelt in einer Auffassung von Feminismus, nach der das kaltherzige Weib nichts anderes im Sinn hat, als grausam die Herrschaft über das männliche Geschlecht an sich zu reißen. Klingt nach neunzehntem Jahrhundert.
Liebe Maskulisten, würde man gerne sagen, habt keine Angst! - Wenn man als Frau nicht selbst in einer Position stecken würde, die keine generösen Gesten erlaubt. Während konservative Medien den Strom von Meldungen nicht abreißen lassen, in denen von benachteiligten Schuljungen und Abiturientinnenquoten die Rede ist, treten die tatsächlichen Aufstiegshindernisse von Frauen in den Hintergrund. Untermalt wird die Geschichte von den benachteiligten Jungs durch das spezifische Förderungsprogramm von Schwarz-Gelb unter Federführung von Kristina Schröder. Dabei ist es noch nicht an der Zeit, dass Frauenförderung von Männerförderung abgelöst werden könnte. Gleichberechtigung ist noch lange nicht erreicht, wenn ein paar Prozent mehr Mädchen für hochschulreif befunden werden und später diejenigen bleiben, die maßgeblich Verantwortung für Küche und Kinder tragen. Und es geht genau darum: um Gleichberechtigung. Denn welche intelligente Frau träumt allen Ernstes davon, einen Mann vor sich im Staub liegen zu sehen? Wahre Größe von Männern wird auch aus weiblicher Sicht eher dort zu verorten sein, wo Frauen als stark, aber nicht als stärker oder schwächer wahrgenommen und akzeptiert werden. Augenhöhe eben – nicht mehr, aber auch kein Finger breit weniger.
Zuerst erschienen in der Freitag 51-52/10: Die Weihnachtsnummer.
[Bild: Mariah Jelena via photodonuts.com]
Meiner Meinung nach eine etwas unausgewogene Darstellung. Beiden Geschlechtern bringt es nichts in eine Benachteiligungsolympiade einzusteigen und nur der Gewinner (also das Geschlecht mit mehr Benachteiligungen) darf sich benachteiligt nennen. Besser ist es die einzelnen Lebensbereiche zu betrachten und dort zu überprüfen, ob Nachteile bestehen und ergebnisoffen zu hinterfragen, warum die Gesellschaft so ausgerichtet ist.
AntwortenLöschenWarum machen Männer beispielsweise die gefährlicheren Jobs und neigen sie zu mehr Wettbewerb als Frauen? Was ist der Vorteil von Frauen in diesem System?
Die feministische Betrachtung - und das ist ein Großteil der Kritik aus Männersicht - hat da eine sehr einseitige Opfersicht. Vom Patriarchat zu hegemonialer Männlichkeit und "benevolent sexism" ist die Perspektive auf die Frau als Opfer ausgerichtet und auf den Mann als Unterdrücker.
Die Privilegtheorie macht es Männern nahezu unmöglich ihre Sicht darzustellen und Nachteile zu benennen. Die Opfersicht, die nur weiblich sein kann, gibt die Perspektive vor.
Vielleicht erfordert Augenhöhe einfach auch mal, dass Männern Raum zugestanden wird, Nachteile zu benennen und Vorteile von Frauen anzusprechen. Und das frau zuhört und es sachlich bespricht.