Montag, 19. April 2010

Zensursula won't do

also muss der Mann ins Netz, beziehungsweise die Frau. Derjenige welche oder ein momentan bester, eine Schöne, die Freundin oder Herr Wunderbar. Keine vierundzwanzig Stunden zurück im Süden lasse ich das blutsaugende Internet Statusupdates diesen Kontexts vorübergehend vermissen während die Thematik in ihren Facetten, aufgegriffen von Teresa Bücker (flannel apparel) bei der re:publica erst tropfenweise in meine Fingerspitzen sickert, dezent weißweingefärbt.

Wir konstatieren, dass Zensursula, und alle so yeeaahh und vergleichbare Twittertrends gedankliche Regungen von wenigen Sekunden erzeugen und in der Weite des Netzes nach dem ersten Hype klanglos verhallen. Was wir auch respektive noch mehr lesen wollen sind kleine Geschichten über alltägliche und große Gefühle, Herzinput neben dem overflow an hartem Fakten - und ich spreche nicht von Detailberichten aus Schlaf- und Wohnzimmern, von Bartresen oder dem letzten Streit bei Ikea. All das lässt uns mehr peinlich als berührt vor Bildschirmen verharren, wie Teresa Bücker anmerkte, in 140 Zeichen dem Urbild enthoben lesen wir hingegen geschriebene Kunst, die das Leben so, nur in eben diesem Urbild zeichnet.

What is privat, what should be public? Weiter gefasst hat der Journalist, Autor und Blogger Jeff Jarvis in einem nach US-amerikanischer Manier rhetorisch brillanten Vortrag seine Thesen zu privacy, publicness and penises dargelegt, die ich im Angesicht der epischen Breite ihrer Folgen in aufgeworfenen Fragen skizziere.

+ why is the privat privat? what should be public?
+ if privacy isn't the issue, is it control?
+ anonymity = anarchy ? // identity = shame?


Wenn ich nach vorgeschalteten Überlegungen oder begründeten Überzeugungen auf einer zeichenhaft der Realität enthobenen Erzählebene mit meinem Erleben einer sexuellen Beziehung das Netz und meine Identität darin anreichere, kann das aus literarischen sowie Gründen der Selbstbestimmtheit über die von mir preisgegebene Information für mich als in diesem Sinne Handelnde nur Gegenstand einer Diskussion sein, deren Ausgang in eigener Vergangenheit bereits ausgefochten ist. Für den Betreffenden fängt diese möglicherweise erst an. Aus den verschiedenen Varianten Partner im selben sozialen Netzwerk // in einem anderen Netzwerk // offline und dessen eigenem Umgang mit Beziehungen im web ergeben sich spezifische Formen der Konfrontation und des Missverständnisses.

Dennoch. Wir brauchen Gefühl im Netz für dessen kreative Kontinuität, die den oder die Betreffende_n durch literarische Anonymisierung Persönlichkeitsrechte erhalten lassen. Liebe und Enttäuschung, zwischenmenschliche Begeisterung, Verwunderung, Abneigung - ein einzelner Moment in seiner Konsistenz gewinnt gegenüber der Flüchtigkeit politischer und gesellschaftlicher Tagesaktualität. Wir sollten und werden eine jeweils eigene Definition unseres Kerns besitzen, dessen Inhalt die Schaufenster von Twitter und Facebook nicht erblicken wird. Und sollte diese Definition dem zukunftsperspektivischen Wandel unterliegen, stelle ich gern Jeff Jarvis' Gegenfrage.

+ everyone has his or her own embarrassing stuff on the internet - so why is it embarrassing?

Kommentare:

  1. das internet wird oft sehr abstrakt betrachtet: auch autoren und publizisten veröffentlichen privates. und niemand schämt sich. die frage ist, wieviel ich mir und meiner (beruflichen) situation gegenüber verantwortlichen will. wofür ich mich schämen würde. was im internet steht, könnte ich auch an die nächste wand schreiben und va unterschreiben. und: das internet kennt keine verjährung.

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  2. weil jede person das, was "embarrassing" für sie im netz ist, ausblendet und nur den kram der anderen sieht. und das macht sich zb bei bewerbungen nicht unbedingt gut. da wird dann gern mit zweierlei maß gemessen - wenn die personalverantwortlichen überhaupt wissen, was das internet ist.

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