Dass es auch anders gehen kann zeigt dieser Artikel bei dasmagazin.ch: Tageszeitungen sind keineswegs todgeweiht, sie müssen sich nur dem veränderten Konsumverhalten ihrer informationsgierigen Käufer anpassen. Der Text nennt drei Beispiele aus Holland, Schweden und Portugal, die zeigen, dass man sich mit ein paar wichtigen Neuerungen durchaus den maßgeblich durch das Internet veränderten Begebenheiten anpassen kann: Grundvoraussetzung ist zunächst, dass man von der Informiertheit des Käufers ausgeht, die er ja bereits im Internet erworben hat, um darauf aufbauend die wichtigsten Meinungen zum jeweiligen Thema zu liefern. Die These lautet, dass das Netz die gewünschten Informationen zwar in ihrer gesamten Breite und zudem am schnellsten liefert, die Tageszeitungen diese jedoch nach Verlässlichkeit und Relevanz zu filtern in der Lage sind. Und relevante Informationen mit möglichst hohem Wahrheitsgehalt, das wollen wir ja alle.

Wer aber soll das eigentlich sein, der oder die durchschnittliche InformationskonsumentIn im Internet? Noch gibt es keine verlässlichen Zahlen über die Anzahl der Twitter-NutzerInnen in Deutschland, die Angaben schwanken zwischen fünfzig- und hundertzwanzigtausend. Zieht man diejenigen ab, die Twitter lediglich als Werbeinstrument benutzen, so bleibt nur ein kleiner Bruchteil der Bevölkerung übrig - der schätzungsweise überwiegend aus TeilnehmerInnen mit publizistischen Interessen besteht (für den Freundes- und Bekanntenkreis bestimmte Veröffentlichungen mal ausgenommen). Meine Generation, die eigentlich weitestgehend mit dem Internet aufgewachsen sein sollte, nutzt dieses zunächst lediglich als Kommunikationsmedium. Twitter als hauptsächlichen Indikator für die Bereitschaft zu einer breiteren Webnutzung zu missbrauchen wäre sicherlich vermessen, aber es bietet sich hier zumindest ein Anhaltspunkt.
Meine KommilitonInnen posten Urlaubsfotos auf Facebook, hören Musik bei Youtube und checken ihre Mails, ein mittlerweile alltäglicher Betrieb im social web - dabei bleiben die viel weiter reichenden Kapazitäten des Internets größtenteils ungenutzt. Das Netz als Arbeitsplatz, Markt für Informationen jeglichen Genres sowie zum Echtzeit-Austausch im Mikroblogformat ist auch unter StudentInnen noch lange nicht mehrheitsfähig. Vielen genügt allein die Möglichkeit, eine Zeitung ebensogut online lesen zu können, ob dies in vergleichbarem Maße praktiziert wird, steht auf einem anderen Blatt.
Für mich ist das Internet schon lange Teil meiner realen Welt, an der wiederum das Netz via Twitter, Blog und Facebook teilhat. Mein Blog ist das geliebte virtuelle Kind, an dem ich selbst wachse, mein Projekt, das Energie und Zeit und Liebe für sich beansprucht.
Meine Woche im Netz hat ein paar feine Informationshappen für mich bereitgehalten. Mit einer Zusammenfassung meiner Link-Top-5 verabschiede ich mich ins Wochenende. Ich werde 20. Zeit für ein bisschen Offline-Feiern.
+ Hilfe, die Prinzessinnen kommen - die Mädchenmannschaft über geschlechtsspezifische Schulbücher
+ Armer Mann, was nun? - die Zeit Online über Hetero-Beziehungen, in denen die Frau mehr verdient (ja, Abhängigkeit macht unglücklich - Frauen und Männer offensichtlich auch)
+ Justitias Augenbinde verrutscht - Rechtsphilosoph Bertram Keller beim Freitag über Anonymität und Selbstbestimmung
+ ART. Entdeckung der Woche: herakut
+ nicht zuletzt: die Meldung des Tages. Barack Obama erhält den Friedensnobelpreis. Einen unter vielen lesenswerten Kommentaren dazu gibt's bei Spiegel Online
Ich muss dir recht geben. Ich muss auch immer wieder feststellen, wenn ich mich im Freundes- und Bekanntenkreis umsehe, dass Blogs u.ä. im Medienkonsum der meisten nicht vorhanden sind. Und sich Internetnutzung, wie von dir beschrieben auf facebook/studivz und eMail beschränkt. Bei Studierenden kommt noch Kontakt mit Professoren und der Download von Unterlagen hinzu.
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