Dienstag, 5. Januar 2010

forget about the good old days

Während der Mann in der Küche steht und das Essen auf dem Herd mit kontrollierenden Blicken zum Garen bringt sitze ich am Laptop und blättere mich durch Twitter, Facebook, verlinkte Artikel und das Fernsehprogramm des Abends. Der Vorgang verdiente keine aus der Reihe tanzenden Aufmerksamkeitsklicks, ginge es nicht ein kleines bisschen um Gleichberechtigung im everyday life, im täglichen Essen, Schlafen, Arbeiten, Konsumieren, Nichtstun. Was ich an meiner Situation bei genauerer Betrachtung so sehr liebe ist die Fähigkeit aller Anwesenden, das Bier für einen Abend vor der Glotze eigenhändig aus dem Kühlschrank zu ziehen, sich gegenseitig zu bekochen - wer die geringste Lust dazu hat, weitere Abfallprodukte in überfüllte Tüten zu stopfen, trägt sie zur Tonne.

In Nahaufnahme geht es um eine Auffassung des Feminismus als Forderung über die Gleichberechtigung der Geschlechter, wie ihn auch die Encyclopedia Brittanica definiert(<-Mädchenmannschaft, Das Feministische Lexikon): Feminismus steht hier für

"the belief in the social, economic, and political equality of the sexes
."

Eine klare Aussage über das, was die Philosophie sein und was sie anstreben sollte, kein Blatt Papier für Vorurteile über männerhassende Monster. Es bleibt trotz dessen ein harter Job, gegen den Subtext anzukämpfen, der in stammtischartig anmutenden Diskussionsrunden diesen wichtigen Gedanken degradiert, der auch dann nicht dahinschwindet, nachdem eine Studie beweisen musste, was vielen bereits bekannt war: Dass feministisch eingestellte Frauen dem anderen Geschlecht die gebotene Offenheit und Toleranz entgegenbringen, mehr noch, dass sie den Anhängerinnen tradierter Rollenbilder in der Unverkrampftheit des Umgangs mit männlichen Subjekten in der Regel überlegen sind.

Ich lese deshalb einen Artikel der Feministin Julie Bindel beim Guardian - am vergangenen Selbermachsonntag bei der Mädchenmannschaft entdeckt - missmutig, trotzig, mit einem wütenden Funkeln. Kein aufgeklärtes Mädchen will mehr von einer Frau lesen, die sich eines gewissen Alltagssexismus nicht zu entledigen in der Lage ist, die glaubt, der Welt erklären zu müssen, dass die meisten Männer zwar womöglich triebgesteuerte Verbrecher sind, sie aber trotzdem mit ein paar für sie annehmbaren Exemplaren etwas Ähnliches wie befreundet ist. Julie Bindel hat als feministische Homosexuelle eine einseitig angreifbare Biografie, und nicht wenige konservative Männer mögen ihr erdenklich gute Gründe geliefert haben, sie zu hassen; erschwerend kommt hinzu, dass sie sich als Journalistin vornehmlich mit sexuellen Gewaltdelikten beschäftigt. Die Bitterkeit der Erlebnisse möchte ihr das aufgeklärte Mädchen nicht absprechen, ebensowenig manche überreizte Reaktion. Und trotzdem macht mich der fehlende Weitblick trotzig wie die verstohlen glitzernde Träne, die sie an ihre vergangenen, radikaleren Tage vergießt.

Ungläubigkeit angesichts in der Zwischenzeit gelöschter Kommentare an meine Schreibe, ein undurchdachter Mangel an Verständnis für die Formen eines "zu laschen Feminismus" der die "Minderwertigkeit" des männlichen Geschlechts nicht akzeptiere, Tiraden für das Matriarchat, Scheuklappen. Dahinter Frauen, die nicht zu bemerken scheinen, wie sie im Vorbeigehen angestaubtes Inventar in Eiche Rustikal aufwirbeln, die Stammtischgeschwister zu neuen Trögen lotsen. Die die Notwendigkeit kluger, weiterdenkender Männer für den Feminismus nicht begriffen oder die entspannte Leichtigkeit des Zusammenlebens mit ihnen nicht gekostet haben.

Um der Freiheit eines ausgeglichenen Geschlechterverhältnisses gerecht zu werden, lasse ich hinterher dreckige Teller gespült im Küchenschrank verschwinden und nehme mir ein Bier mit auf die Couch. Vielleicht sollte ich Julie Bindel eine nette gemischte WG empfehlen.

[Bild]

Kommentare:

  1. die message scheint auch gerhard amendt im welt-interview nicht verstanden zu haben.

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  2. Der Feminismus war bisher leider viel zu lasch und halbherzig. Es ist doch schon längst objektiv bewiesen, dass Männer minderwertiger sind als Frauen und deshalb degradiert gehören! Doch stattdessen spricht der Feminismus immer noch von Gleichberechtigung... :(

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  3. liebe/r isquierda, du gehörst zu denen, für die ich im text keinerlei verständnis zeige, danke, dass du mich nochmal bestätigst. zudem wiederholst du dich. für die zukunft ein letzter hinweis: ich habe da so einen delete-button - und deine "beiträge" sind wie gemacht dafür.

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  4. Wer feministisch schreibt, muss auch an seine männlichen Leser denken. Wäre doch sinnlos, feministische Appelle nur an Frauen zu richten. Und wenn ich Männer als Leser gewinnen möchte, dann sicher nicht, indem ich sie in Grund und Boden stampfe.

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  5. In dem Verweis auf der Mädchenmannschaft sprichst du von dem "Vorurteil der Männerfeindlichkeit" dem der Feminismus ausgesetzt ist.

    Aber nach deinem eigenen Bericht scheint dieses "Vorurteil" ja zumindest gegen einem gewissen Teil des Feminismus, der meiner Meinung nach auch nicht unverbreitet ist, gerechtfertigt zu sein.

    Demnach wäre ja dann die Aussage "Teile des Feminismus sind Mmännerfeindlich, andere Teile nicht" zutreffend oder?

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  6. Hallo Eva,
    zu den von Dir angesprochenen Kommentaren:
    dahinter stecken keine Frauen, sondern Faker aus der "Masku-Ecke", die die Nicknames von Feministinnen hernehmen, unter diesen Nicks dann selbst (!) seltsame Sachen schreiben, um dann -wieder unter ihrem gewohnten Nick- über diese angeblichen Feministinnen herziehen zu können.
    Klingt komisch, ist aber (leider) so.
    Gruß,
    Mondfee

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  7. @ mondnacht
    wahnsinn. davon höre ich zum ersten mal. traurig.

    @ eva ricarda
    das phänomen von dem du sprichst ist typisch für den alten feminismus. ich kann das nicht mehr hören, dass ist genauso sexistisch wie die unterdrückung der frau. die meisten männer in meinem umfeld interessieren/engagieren sich für feministische themen. trotzdem: frauen müssen auch erkennen, dass sie nicht "natürlich abhängig" und suchend sind(stichwort: einfluss des popcorn kinos etc.. und männer, dass der feminismus sie nicht minderwertiger machen will, sondern frauen gleichbererechtigt.

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