Sonntag, 12. Juli 2009

girlism

mein Wochenende setzt sich nach verkatertem Samstag und WG-Party-Nacht in einem Couchsonntag fort. Dieses Möbelstück ist definitiv die Königin des Wochenendes - und die Sofaprinzessin hat sich mal wieder mit Laptop und Kaffee niedergelassen und beschäftigt sich mit Fragen des Lebens.
Der Feminismus ist tot, es lebe der Feminismus. Seit einiger Zeit verfolge ich mit wachsender Begeisterung anspruchsvolle Frauenblogs wie die http://maedchenmannschaft.net oder http://flannelapparel.blogspot.com/ und finde dort ein Format vor, welches ich lange vermisst habe. Frauenblog hört sich zunächst an wie Frauenzeitschrift, konnotiert mit Diäten, celebrity news und "Schöner Wohnen". Frauenthemen, wenig anspruchsvoll, von Männern ebenso wie von anspruchsvollen Frauen belächelt. Als emanzipierte junge Frau hat man sich nicht für Küchenutensilien zu interessieren, man hält sich fern vom Heimchen-am-Herd-Image. Muss man sich auch von Mode fernhalten, von weiblichem Sexappeal? Gebe ich mich damit als hübsches Anhängsel, als sexy Stück Fleisch geschlagen? Eben nicht. Aber wenn ich mich über Mode und Trends, Fashionweeks und andere schöne Dinge informieren wollte, standen mir bisher leider nur all die klischeebehafteten Hochglanzmagazine zur Verfügung. An diesem Punkt kommt der neue Feminismus ins Spiel, illustriert von bloggenden Frauen, die Mode, Politik und Kultur zu gleichberechtigten Themen machen.

Frontfrau

Frau in der front row, für mich eine Selbstverständlichkeit, möglicherweise zu Unrecht. Gestern Abend hatte ich eine interessante Diskussion mit meinem Freund, der mich fragte "wirst du jetzt Feministin?" - und ich musste erneut feststellen, was ich eigentlich selbst weiß und auch lange so empfunden habe, dass Feminismus für meine Generation nicht revolutionär, sondern vielmehr irgendwie altbacken daherkommt. Für ihn wie für mich hat der Kampfbegriff Feminismus ein angestaubtes Image, welches dem frischen Wind in der Bewegung in keiner Weise gerecht wird. Meine Generation verbindet mit einer Feministin zunächst das männerhassende Monster mit Achselwald, Alice Schwarzer lässt grüßen. Frauenbewegung, das stammt aus der Generation unserer Eltern, die sich damals noch heftig durchsetzen mussten in einer durch und durch von Männern dominierten Gesellschaft. Mein Freund und ich sind mit zwei berufstätigen Elternteilen aufgewachsen, und eigenständig ist man heute als Frau ja sowieso, irgendwie. Ein Blick ins Feministische Lexikon der Mädchenmannschaft (->http://maedchenmannschaft.net/das-feministische-lexikon/) schafft Abhilfe. Feminismus hat nichts mit Männerhass und Kampflesben zu tun, wie man hier sieht:

Wir definieren ihn nach der
Encyclopedia Britannica als “the belief in the social, economic, and political equality of the sexes” - also den Glauben an die soziale, ökonomische und politische Gleichheit der Geschlechter.

Aufgrund all jener Vorurteile zum Thema Feminismus fragt mein Freund, ob man das Ziel "Gleichberechtigung der Frau" denn heute eigentlich noch so nennen müsse. Für ihn ist es - glücklicherweise - selbstverständlich, dass ich studiere, berufstätig sein werde und etwas erreichen will; der Welt etwas hinterlassen möchte, was mit mit Kochrezepten und Wohnungsdekoration herzlich wenig zu tun hat. Ihm ist die Vorstellung einer Ehefrau fremd, die nach Feierabend gekocht hat und dem Herrn ein kühles Bier anreicht. Für mich hält das Leben mehr bereit als eine hübsche Wohnküche, aber ein Blick ins Fernsehen zeigt, dass das auch heute noch nicht für jede Frau so selbstverständlich ist. Heidi Klum, die selbst Karriere macht, würdigt donnerstags auf Prosieben ihre Kandidatinnen zu hübsch-leeren Busenwundern herab, die sich dem Magerwahn hingeben, um endlich auch mal für McDonalds in die Kamera grinsen zu dürfen. Und wer guckt zu? Germany's Next Topmodel ist kein Beispiel des vielzitierten Unterschichtfernsehens, hier sitzen gebildete junge Frauen vor der Glotze, die bei einem gepflegten Gläschen Sekt gemeinsam miteifern. Zugegebenermaßen habe ich mir das Spektakel natürlich auch angesehen, habe mir jedoch den ironischen Unterton bewahrt. Und je mehr ich darüber nachdenke, hinterher, desto mehr ist mir diese Demütigung der Frau zuwider.
Und doch möchten ich und all die anderen emanzipierten jungen Frauen nicht falsch verstanden werden - für uns hat Feminismus nichts mit üppiger Beinbehaarung und sackartigen Kleidern zu tun. Weiblicher Sexappeal ist eine Macht, die für mich völlig ohne Blondchenschema auskommt - aber auch weitestgehend ohne Alice Schwarzer. Ich hasse keine Männer, vielmehr lebe ich mit ihnen, auf Augenhöhe.
Das angestaubte Bild der Frauenbewegung hat keine Existenzberechtigung mehr, denn Feminismus ist noch immer notwendig, oder kann mir jemand erzählen, dass Frauen in der Arbeitswelt heute tatsächlich gleichberechtigt wären? Vielmehr gilt es doch immernoch als finanzielles Risiko, Frauen einzustellen, Schwangerschaftsgefahr. Und von gleichen Löhnen kann auch in der Gegenwart noch keine Rede sein. Es hat sich viel getan, es ist viel Gutes passiert sein den 70ern. Aber am Ziel sind wir deswegen noch nicht, sondern müssen vielmehr darauf achten, dass wir uns nicht auf den Lorbeeren der Generation Alice Schwarzer ausruhen und den Rückweg an den Herd antreten.

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Kommentare:

  1. Dich interessieren keine Küchenutensilien?!? Also nur Fertigpizzen und Junkfood, oder was? Meine Küche ist voll von Küchenutensilien, denn zu einem eigenverantwortlichen Lebe gehört die Fähigkeit, selber aus Zutaten, die ich kenne, zu kochen. Daher marschieren ich und meine Freundin ständig durch die Gegend auf der Suche nach lustigen Küchenutensilien. Übrigens erklärt sich jetzt auch, warum die meisten Profiköche Männer sind - weil die sich gerne mit Küchenutensilien beschäftigen...

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  2. ich denke aus dem kontext geht wohl hervor, dass ich nichts gegen den topf an sich habe, auch nicht gegen gläser, teller oder eine gemüseraspel. von junk food ernähre ich mich im normalfall auch nicht. mag sein, dass das etwas polemisch formuliert war - aber ich bin sicher, dass einem zwischen den zeilen entgegenspringt, was eigentlich gemeint ist: dass man sich als emanzipierte frau nicht ausschließlich mit kitchen aids und schöner wohnen beschäftigt. das heimchen am herd lässt grüßen - und von schönen dingen shoppen, egal ob klamotten oder küchengeräte, ist hier nicht die rede. die stadtpiratin grüßt anonym herzlich

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